Chronik
der Abteilung |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die
organisatorischen Voraussetzungen
Geräteturnen hat in Deutschland eine lange
Tradition. Die Turnerschaften, die sich im 19.Jahrhundert auf Initiative von Friedrich
Ludwig Jahn gründeten, waren den damals noch in den vielen deutschen Kleinstaaten
herrschenden Fürsten suspekt, transportierten sie doch die auf nationale Einheit
gerichteten revolutionären Ideen ihres Mentors, der von der Obrigkeit als
"Demagoge" eingeschätzt und deshalb auch verhaftet wurde. Erst nach der
Reichseinigung im Jahre 1871 wandelte sich das Bild des deutschen Turners, und die
Sportler wurden von Umstürzlern zu staatstragenden, konservativ ausgerichteten
Staatsbürgern. Als sich am 10. Januar 1896 im Rainer Gasthaus "Zur Goldenen
Gans" 13 Turninteressierte, namentlich Georg Wunschel, Ludwig Ehnle, Karl Ehnle,
Adolf Grueber, Johann Köchl, Paul Oertel, Heinrich Sauer, Emil Busch, Georg Ehnle,
Heinrich Busch, Alois Alfermann, Nikolaus Filbeck und Wolfgang Kißler, zusammenfanden, um
einen Verein ins Leben zu rufen, hatte sich dieser Sport in der Gesellschaft längst
etabliert. Die alte Schranne wurde erste Übungsstätte der Aktiven des TV 1896 Rain, die
bald auch Wettkampfriegen bildeten, schon 1897 den Gauturntag in der Lechstadt
veranstalteten und auch am gesellschaftlichen Leben in der Stadt rege teilnahmen.
Nach dem 2.Weltkrieg war es nicht mehr
möglich, den früher in Rain so wichtigen Turnsport wieder dauerhaft zu aktivieren. Zu
groß waren die Verluste, die auf den Schlachtfeldern Europas verzeichnet werden mußten.
Der TV fusionierte 1946 endgültig mit dem FC zum TSV 1896 Rain, die Abteilung Turnen
bestand über lange Zeit trotz vielfacher Bemühungen und Appelle vor allem von Franz
Römer, vor dem 2. Weltkrieg schon Turnwart und später 1. Vorsitzender des Hauptvereins,
nur noch aus einigen Hobbyturnern, nachdem in den ersten Nachkriegsjahren einige junge
Turnerinnen noch zu schönen Erfolgen auf Gauturnfesten gekommen waren. Noch heute ist
Römer davon überzeugt, daß die Turnabteilung in Rain eine andere Entwicklung
genommen
hätte, wäre der ehemalige Turnwart Max Lösch nicht im Krieg gefallen. Erst Ende der
60er Jahre tat sich wieder etwas, allerdings nun auf breitensportlicher Ebene. Initiiert
von Gundula Gschwandner, gründete sich 1969 eine Damen-Gymnastikgruppe, die bald zu einer
der zugkräftigsten Einrichtungen des TSV werden sollte. Nur ein Jahr später waren es
Walter Sauer, Max Schneider, Hermann Rabuser, Werner Nürnberger, Siegfried Hiener und
Manfred Golling, die eine Jedermann-Sportgruppe ins Leben riefen. Erster Übungsleiter der
neuen Gruppe wurde Günter Mändle. Nach dem Bau der Grundschulturnhalle und der
Realschulturnhalle fanden diese Gruppen in den 70er Jahren dann auch ideale Bedingungen
für das Ausüben ihrer sportlichen Aktivitäten vor. Seit 1975 bot die Turn-Abteilung nun
auch für die Kleinsten Sportmöglichkeiten: Martha Harster begann mit der Leitung des
Kinderturnens für Kinder von 4 bis 6 Jahren. Neben Inge Böttcher, die seit 1972 die
Damengymnastik leitete, war inzwischen Wolfgang Janson, der 1975 von Mändle die
Jedermann-Sportgruppe übernahm, zum Motor der Turn-Abteilung geworden, die sich jetzt
wieder zu einer der mitgliederstärksten Abteilungen im TSV entwickelt hatte. Zeitweise
war sogar eine Gruppe aktiv, die unter Anleitung von Karin Alesik Rhythmische
Sportgymnastik betrieb. Mit der Fertigstellung der Dreifachturnhalle 1985 wurden die
Möglichkeiten noch vielfältiger, und seit dieser Zeit richten die Jedermannsportler
alljährlich ihr Basketball-Turnier für Hobbymannschaften aus. Neben der sportlichen
Betätigung gewann der gesellschaftliche Aspekt immer mehr an Bedeutung, was sich etwa
durch Grillfeste und Jahresabschlußfeiern äußerte.
Die sportliche Entwicklung Zu Ende des vorigen Jahrhunderts, als Rains Turnverein noch in den Kinderschuhen steckte, wurden in der alten Schranne bei den Übungsstunden die Grundlagen für spätere sportliche Erfolge gelegt. Diese blieben zunächst noch aus, auch wenn schon 1897 ein Gauturnfest in Rain durchgeführt wurde. 1903 hatte der Verein aber bereits so viel Zulauf gefunden, daß zwei Riegen gebildet werden konnten. Bis dahin bester Turner des TV Rain war 1909 Gregor Süßmann. Beim Gauturnfest in seiner Heimatstadt kam er unter die besten zwölf. Der wirkliche sportliche Höhenflug für Rains Turner fand aber in den 20er Jahren statt. Ein bedeutendes Jahr war 1922: Otto Miller wurde bayerischer Meister, Josef Mack Sieger des Turnfestes in Wertingen. Auch Leichtathletik wurde nun unter der Fahne des TV betrieben und Sportler zu Wettkämpfen entsandt. Beim Gauturnfest 1923 in Nördlingen konnte sich Georg Holzapfel als Sieger feiern lassen; 1925 in Höchstädt gab es gar vier Gaumeistertitel für die Rainer, und ein Jahr später in heimischer Umgebung gab es immerhin noch zwei Gaumeister. Der letzte Gaumeister aus Rain hieß 1929 Hermann Koller. Er erreichte dann auch beim bayerischen Turnfest noch einen beachtlichen 31. Platz. Neben Turnen wurde in jener Zeit auch Leichtathletik und Faustball unter dem Dach des Turnvereins betrieben. Die Faustballer hatten ihr Spielfeld auf der Fohlenweide, nahmen am Punktspielbetrieb teil und veranstalteten auch selbst Turniere. Auch in den ersten Nachkriegsjahren wurde in Rain noch Faustball gespielt. Nachdem 1934 zum letzten Mal Rainer Turner an einem Gauturnfest teilgenommen hatten und 1938 die Übungsstunden für Jugendliche eingestellt worden waren, verschwand das Kunstturnen aus Rain völlig. Lediglich die Spitzenturner aus Monheim brachten in den 80er Jahren durch Schauturnen und auch einen Wettkampf, den sie in Rain austrugen, vorübergehend noch einmal Turn-Atmosphäre an den Lech. Nach dem langen Donröschenschlaf erwachte die Turn-Abteilung erst 1969 wieder mit neuen Aktivitäten. Die Damengymnastik bot vor allem Gymnastik mit Musik; durch "Aerobic" sollten die Teilnehmerinnen nicht nur den Alltagsstress abbauen, sondern auch Kondition tanken. Im Sommer kamen Fahrradtouren und Dauerlauf, neudeutsch "Jogging", dazu. Vielfältige Sportmöglichkeiten boten sich für die Teilnehmer der Jedermann-Sportgruppe, die neben Aerobic, Gymnastik mit Kleingeräten und schweißtreibendem Zirkeltraining auch Basketball ausübten und in dieser Sportart bei der Teilnahme an Hobbyturnieren, nicht nur dem "eigenen", schon einige beachtliche Erfolge erzielten. Daneben verließen auch sie im Sommer die Halle und schwangen sich aufs Fahrrad, gingen zum Joggen in den Wald oder wanderten in den bayerischen Alpen. Gymnastik und Spiel bildeten von Anfang an die Säulen des Kinderturnens, wobei den Kindern auch die Erfahrung vermittelt werden sollte, daß zur Ausübung eines Sports Disziplin und Ordnung gehören. Der Wiederaufbau einer Kunstturngruppe, von dem immer wieder gesprochen wurde, scheiterte allerdings bis heute. Das breite sportliche Betätigungsfeld der heutigen Abteilung Turnen/Jedermannsport sind nichtsdestotrotz Beweis genug, daß nicht unbedingt die Leistung im Mittelpunkt stehen muß, sondern daß Freude an der Bewegung und Spaß am gemeinschaftlichen Sporttreiben bedeutender denn je geworden sind. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Abteilungsleitungen Anmerkung: Bis 1938 wurden die Funktionen als Vorstandschaft des selbständigen TV Rain ausgeübt! |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||